Google-Mitbegründer Sergey Brin hat sich in einem Interview mit dem britischen Guardian kritisch über die restriktive Netzpolitik von autoritären Regimen, aber auch von Mitbewerbern geäußert. Das Social Network Facebook nahm Brin dabei besonders ins Visier, die beiden Internet-Giganten gelten als Erzrivalen. Die Äußerungen des Netzpioniers wurden teils begrüßt, teil auch sehr kritisch kommentiert - denn Google gilt selbst nicht unbedingt als Hort der Freiheit. Man unterstellt dem Konzern schon länger das Streben nach einer Monopolstellung. Die hat Google bei SEM de facto schon längst inne.
Vermauerte Gärten bei Facebook
Sergey Brin bedauerte die Bedrohung des offenen Netzes durch autoritäre Regime wie den Iran, China und Saudi-Arabien, jedoch nannte er im gleichen Atemzug Apple und Facebook. Deren Online-Politik gliche "vermauerten Gärten", damit stünden diese Unternehmen in einer Reihe mit Staaten, die das freie Internet behindern. Brin zeigte sich besorgt, die Entwicklung sei "beängstigend". Sergey Brin ist derzeit als einer der Google-Chefs für Spezial-Projekte zuständig, zum Beispiel die Daten-Brille Google Glass oder das selbstlenkende Auto. Damit gibt sich das Internet-Unternehmen innovativ und weltoffen. Die Politik von Facebook kritisierte er scharf, es würden im Social Network restriktive Regeln aufgestellt, denen sich jeder Nutzer unterzuordnen habe. Er selbst hätte gemeinsam mit Larry Page die Suchmaschine Google niemals unter solchen Bedingungen entwickeln können. Hierzu habe es eines offenen Netzes bedurft. Zu viele Regeln, so Brin, ersticken jede Innovation im Keim. Der Hintergrund von Brins Kritik an Facebook könnte jedoch viel weiter reichen und längst nicht nur eine Moraldiskussion betreffen. Denn die beiden Unternehmen streiten sich seit mehreren Jahren um die Daten von Nutzern. Im Herbst 2010 hatte Google Zugänge zu E-Mail-Adresslisten für Facebook gesperrt, die das Social Network gern zur Auswertung genutzt hätte. Google wollte damit auf Facebook Druck ausüben, damit Facebook selbst seine Datenbestände öffnet. Ein Umzug von Facebook zu Google mit allen Daten hat Facebook seinen Nutzern immer erschwert, dabei jedoch selbst das Durchsuchen von Kontaktlisten großer E-Mail-Provider wie Hotmail oder GMail ermöglicht. Brin kritisierte das "Raussaugen" von Datenbeständen durch Facebook.
Kritik auch an Unterhaltungsindustrie
Die Musik- und Filmbranche, die schärfere Gesetze zum Schutz vor Raubkopien verlangen, nahm Sergey Brin ebenfalls unter Beschuss. Dies gliche den Zensurversuchen von autoritären Staaten wie Iran und China. Gleichzeitig musste Brin einräumen, dass auch Google bisweilen Daten an US-Behörden übergibt. Dies ließe sich für ein Unternehmen mit Sitz in den USA nicht umgehen. Das Guardian-Interview wurde im Internet kontrovers diskutiert. Befürworter stimmen der Intention Brins hinsichtlich eines offenen Netzes zu, Kritiker verweisen auf die kommerziellen Interessen von Google, die häufig genug mit der (europäischen) Auffassung von Datenschutz kollidieren. Das habe die Debatte um Google Street View bewiesen.